unfall-urlaub-mietwagen-01

Die schönste Zeit im Jahr ist zweifelsohne für alle Arbeitnehmer der wohlverdiente Urlaub. Dabei fahren immer mehr der erholungssuchenden mit dem eigenen Fahrzeug. Zum einen können Sie so das Reisetempo selbst bestimmen und haben keinen Stress mit umsteigen, Koffer hin und herschleppen und Verspätungen, dem hetzen zu Anschlussverbindungen oder gar dem Verpassen selbiger, wenn mal wieder der eigene Zug Verspätung hat. Zusätzlich hat man noch den gewohnten Komfort und ist am Zielort ebenfalls mobil.
Alles ist perfekt geplant und dann trifft es einen wie aus heiterem Himmel: Ein Verkehrsunfall! Das Auto ist massiv beschädigt und muss in die Werkstatt. Der ganze Urlaub scheint in Gefahr und unzählige Fragen tauchen plötzlich auf! Dies kann einem sowohl kurz vor Urlaubsantritt zu Hause oder aber auch auf dem Weg in den Urlaub oder auch am Urlaubsort treffen.
Die wenigsten wissen dann, was zu tun ist und welche Rechte und Pflichten sie dann haben.
Wir möchten hier einen kleinen Teil dazu beitragen, einige Fragen vorab zu beantworten.

Muss ein Mietwagen während eines Urlaubs zurück gegeben werden?

Folgendes Szenario: Die Vorbereitungen für den Urlaub mit dem eigenen Wagen sind alle abgeschlossen – in ein paar Tagen soll es losgehen. Dann der Unfall. Das Fahrzeug hat einen größeren Schaden abbekommen und muss auf jeden Fall für länger in die Werkstatt. Zwar steht Ihnen ein Mietwagen zur Verfügung, jedoch eigentlich nur für die Zeit, bis der eigene Wagen repariert ist. Müssen Sie also Ihren Urlaub unterbrechen um den Mietwagen zurückzugeben?
Das AG Bonn hat mit Urteil vom 20.12.2011 (AZ106 C 322/10, Nr. 120248) entschieden:
NEIN

Genauer lautet das Urteil: Als Geschädigter eines Verkehrsunfalls mit einem Fahrzeug, das für den Antritt einer Urlaubsreise eingeplant war, erheblich beschädigt wurde, darf den ihm zustehenden Mietwagen für die gesamte Dauer des vorgeplanten Urlaubs nutzen. Dies gilt auch wenn der eigene Wagen in dem relevanten Zeitraum bereits wieder nutzbar wurde.
Ähnlich sieht das auch das AG Berlin-Mitte mit dem Urteil vom 25.09.2013 (AZ 112 C 3079/13 Nr. 133151)welches entschied, dass die Schadensminderungspflicht nicht gilt, wenn sich ein Unfall kurz vor einem fest gebuchten Urlaub ereignet und dieser unterbrochen werden müsste, weil die Reparatur des eigenen Wagens zwischenzeitlich beendet wurde.
Auch das AG Rostock entschied mit Urteil vom 11.09.2015 AZ 44 C 65/15 Nr. 146400, dass ein, zum Unfallzeitpunkt fest geplanter und mit einem Mietwagen angetretener Urlaub nicht unterbrochen werden muss, weil der eigene Wagen zwischenzeitlich fertig repariert wurde. Der Geschädigte darf den Mietwagen bis zum Urlaubsende behalten.
Einzige Einschränkung hierbei ist allerdings, dass das Fahrzeug so stark beschädigt war, dass es nicht verkehrssicher oder fahrtüchtig war. Hier muss unter Umständen auch die Möglichkeit einer Notfallreparatur geprüft werden. Zudem kann es sein, dass wenn der Urlaubsort nicht allzu weit entfernt ist und die Reparatur innerhalb der ersten Urlaubstage erfolgt, der Geschädigte doch verpflichtet wird, das Fahrzeug zu tauschen. Dies liegt im Rahmen der Zumutbarkeit.

Muss ein Mietwagen während eines Urlaubs zurück gegeben werden?

Das sollten Sie beachten: Teilen Sie dem zur Regulierung verpflichteten Versicherer die Gegebenheiten als Warnhinweis gemäß §254 Abs. 2 BGB bereits im Vorfeld mit. Auch können Sie ihm die Option anbieten, Ihr Fahrzeug nach erfolgter Reparatur an Ihren Urlaubsort verbringen und dafür das Mietfahrzeug abholen zu lassen. Dann kann der Versicherer entscheiden, was für ihn die günstigere Variante ist und Sie entgehen so dem Vorwurf der Schadensminderungspflicht nicht nachgekommen zu sein.

Sonderregelungen bei besonderer Ausstattung

Möglicherweise wurde der Urlaub mit einem Wohnwagenanhänger, einem Bootsanhänger oder entsprechenden Aufbauten geplant.
In diesem Fall bedarf es natürlich einer ebensolchen Ausstattung beim Mietwagen. Auch die Nutzlast muss entsprechend den Anforderungen gegeben sein. Dies erhöht natürlich den Mietpreis und verkleinert die Auswahlmöglichkeiten.
Meist wird der Geschädigte hier vom Versicherer auf die sogenannte Fraunhofer Mietpreisliste verwiesen, bei denen allerdings nicht erkennbar ist, ob auch die erforderlichen Ausstattungen und Nutzlasten gegeben wären.
Lassen Sie sich hier nicht unsicher machen. Im Zweifelsfall hilft es oft, als Geschädigter in die Offensive zu gehen und im Gegenzug zu verlangen, dass die Versicherung ein entsprechendes Fahrzeug mit der benötigten Ausstattung organisiert. In der Regel wird der Versicherer dieser Aufforderung nicht nachkommen können. Notieren Sie sich aber für Ihre Unterlagen stichpunktartig, den Inhalt des Gespräches und den Namen des betreffenden Mitarbeiters so wie das Datum und die Uhrzeit des Gespräches für eventuelle spätere Nachweise.

Wiederbeschaffungsfrist bei Totalschaden

Ist Ihr Fahrzeug ein Totalschaden, gestattet man Ihnen eine so genannte Wiederbeschaffungsfrist, in welcher Ihnen die Nutzung eines Mietfahrzeuges als Ersatz zugestanden wird. Diese Frist verlängert sich natürlich um die Zeit, in der Sie sich im Urlaub befinden. Es ist unzumutbar, wenn der Versicherer verlangt, den Urlaub zu unterbrechen um ein Alternativfahrzeug zu beschaffen.

Gleiche Rechtslage bei Motorrad

Handelt es sich bei dem beschädigten Fahrzeug um ein Motorrad gelten auch hier die gleichen Regelungen, wie bei einem KFZ. Auch hier muss ein Mitfahrzeug gestellt werden, wenn der Urlaub mit dem Motorrad bereits vorgeplant war. Gegebenenfalls muss allerdings eine Planung konkret nachgewiesen werden, wenn das geschädigte Fahrzeug sonst nur sporadisch genutzt wird.

Unfall im Urlaub – wohin darf abgeschleppt werden?

Ereignet sich ein Unfall im Urlaub, muss zunächst festgestellt werden, ob eine Reparatur vor Ort überhaupt möglich ist. Ist eine so genannte Notfallreparatur nicht möglich, weil z.B. das Fahrzeug nicht mehr verkehrssicher oder nicht fahrbereit ist, oder die Reparatur unnötig lange dauern würde ( länger als der Urlaub vor Ort), dann stellt sich die Frage, ob man das Fahrzeug in die heimische Werkstatt schleppen lassen darf.
Hierzu gibt es unterschiedliche Auffassungen, jedoch neigt die Rechtsprechung immer mehr zu der Ansicht, dass dies erlaubt sein muss. Schließlich kommt ein zur Reparatur zurückgelassenes Auto ja nicht vom Urlaubsort alleine wieder nach Hause. Zusätzlich müsste man dann für eventuelle Nachbesserung bei den Reparaturen auch jedes Mal wieder zurück an den Urlaubsort. Dies erachten die meisten Gerichte für unzumutbar. So entschied z.B. das AG München mit dem Urteil vom 06.10.2014 (AZ 322C27990/13 Nr. 185867) zugunsten des Geschädigten und erlaubte das Abschleppen in den Heimatort.
Der gleichen Ansicht ist das AG Siegburg, welches mit Urteil vom 14.04.2016 AZ 124C7/16 Nr. 185866 die Meinung bestätigte, der Geschädigte dürfe sein Fahrzeug in die Heimatwerkstatt schleppen lassen, wenn ein erheblicher Zeit- und Kostenaufwand nötig wäre um das Auto vor Ort reparieren zu lassen.
Das sollten Sie auch wissen: Eine BGH-Grundsatzentscheidung im Zusammenhang mit der Nachbesserung unterstreicht diese Entscheidung dahingehend, dass er die Frage nach der Zumutbarkeit der Entfernung zur Werkstatt zwecks Nachbesserung wie folgt beantwortete: Für diese Bewertung ist von Bedeutung, welcher Aufwand dem Geschädigten entstehen würde um etwaige Nachbesserungen geltend machen zu können, wenn mangelhafte Reparaturen durchgeführt werden.

Prüfen Sie Ihren Schutzbrief

Unabhängig von den Ansprüchen gegenüber dem Versicherer des Schadenverursachers, sollten Sie Ihren eigenen Schutzbrief in dem Zusammenhang überprüfen. Gerade bei Unfällen im Ausland- bzw. im Urlaub- sollten Sie sicher sein können, welche Ansprüche aus dem Service Sie in Anspruch nehmen können. Unter Umständen bietet sich vor Urlaubsantritt auch noch eine entsprechende Anpassung der Bedürfnisse an.